Unser Büro für Leichte Sprache blickt zurück – und freut sich auf die Zukunft.
Fünf Jahre sind vergangen. Fünf Jahre voller neuer Aufgaben, spannender Begegnungen und vieler gemeinsamer Erfolge.
Wir haben viel gelernt, einiges gewagt und manches geschafft, dass wir uns am Anfang vielleicht noch gar nicht zugetraut hätten.
Im September 2021 startete unser Büro für Leichte Sprache in Bernau bei Berlin.
Zuvor stellte der Bereich Teilhabe, Verbund Nord-Ost-Brandenburg einen Antrag bei der Aktion Mensch für eine Anschubfinanzierung.
Die Aktion Mensch bewilligte das Vorhaben und förderte unser Büro fünf Jahre lang.
Das Ziel war es, ein Büro für Leichte Sprache aufzubauen und dauerhaft zu etablieren.
Damals begann für uns eine spannende Reise. Heute können wir sagen: Wir haben viel erreicht.
Rund um das Thema Leichte Sprache hat sich viel entwickelt. Und wir freuen uns, dass unser Angebot weiterbestehen wird.
Von den ersten Schritten zu einem festen Angebot
In den vergangenen fünf Jahren ist unser Büro gewachsen. Wir haben eigene Büroräume bekommen. Hier arbeiten wir an Texten und entwickeln neue Ideen. Außerdem finden bei uns inklusive Workshops statt. Dabei kommen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen.
Sie lernen voneinander und beschäftigen sich gemeinsam mit verständlicher Sprache.
Wir haben ein eigenes Logo entwickelt und eine Homepage aufgebaut. Unsere Homepage wird gerade überarbeitet.
So möchten wir unser Angebot noch besser vorstellen. Auch unser Netzwerk ist stetig gewachsen.
Wir haben viele Menschen und Einrichtungen kennengelernt. Daraus sind zahlreiche Kooperationskontakte entstanden.
Wir haben Radiointerviews gegeben und über unsere Arbeit berichtet.
Zum Beispiel wurden wir ins Jobcenter und andere Behörden eingeladen und haben über das Thema aufgeklärt. Denn Leichte Sprache soll bekannter werden.
Viele Texte, viele Menschen und viele neue Erfahrungen
In fünf Jahren haben wir zahlreiche Texte in Leichte Sprache übertragen. Dabei ging es um ganz unterschiedliche Themen.
Für unseren Träger, die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, haben wir zum Beispiel Hausordnungen, Wegbeschreibungen, Beerdigungsverfügung und vieles mehr bearbeitet.
Auch außerhalb unseres Trägers waren wir aktiv. Wir haben unter anderem für den Landkreis Barnim, für Museen und für unterschiedliche soziale Einrichtungen gearbeitet. Jeder Text bringt neue Fragen mit sich. Was ist wirklich wichtig? Welche Wörter sind verständlich?
Wie können wir schwierige Inhalte so erklären, dass möglichst viele Menschen sie verstehen?
Dabei ist uns eines besonders wichtig: Wir möchten nicht einfach nur Texte vereinfachen. Wir möchten Informationen für Menschen zugänglich machen.
Denn jeder Mensch soll verstehen können, was ihn betrifft.
Gemeinsam lernen und Barrieren abbauen
Wir wollten unsere Erfahrungen nicht für uns behalten. Deshalb haben wir Workshops für interne und externe Interessierte angeboten.
In den Workshops geht es um die Frage: Wie können wir verständlicher kommunizieren? Die Teilnehmenden lernen einige Regeln der Leichten Sprache kennen.
Sie erfahren auch, warum verständliche Informationen so wichtig sind. Ein besonderes Erlebnis war eine Projektwoche mit unserer Diakonischen Schule Lobetal.
Oder auch ein Workshop mit FSJlern in Berlin. Zusammen mit den jungen Menschen haben wir uns mit dem Thema Leichte Sprache beschäftigt.
Solche Aktionen zeigen uns immer wieder: Es gibt viele Möglichkeiten, das Thema Leichte Sprache in die Gesellschaft zu bringen, mit dem Ziel Barrieren abzubauen. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Ausbildung von Prüfleserinnen und Prüflesern. Sie prüfen unsere Texte auf Verständlichkeit.
Denn Menschen, die Leichte Sprache nutzen, können besonders gut einschätzen, ob ein Text wirklich verständlich ist.
Wir freuen uns über alle Menschen, die diese wichtige Aufgabe übernehmen.
Genau deshalb suchen wir weiterhin neue Prüfleserinnen und Prüfleser, die unser Team unterstützen möchten.
Aus zwei Büros wird ein gemeinsamer Name
Auch innerhalb unseres Trägers hat sich viel entwickelt. In Berlin ist ein weiteres Büro für Leichte Sprache entstanden.
Auch dieses Büro wird durch die Aktion Mensch gefördert. So haben wir neue Kolleginnen und Kollegen gewonnen.
Aus den ersten Kontakten ist eine enge Zusammenarbeit geworden. Und irgendwann stand fest: Wir möchten auch nach außen zeigen, dass wir zusammengehören. Deshalb haben wir uns einen gemeinsamen Namen gegeben: VERSTEH BAR.
Wir freuen uns über das gemeinsam gewachsene Team und darauf, noch mehr Menschen mit Leichter Sprache zu erreichen.
Aufgeregt waren wir auch
Natürlich lief nicht immer alles ganz leicht. In den fünf Jahren gab es viele neue Aufgaben. Einige davon waren für uns eine echte Herausforderung.
Vor neuen Projekten waren wir manchmal ziemlich aufgeregt. Wir haben uns gefragt: Schaffen wir das? Wird alles gut klappen?
Werden die Menschen unser Angebot annehmen? Doch dann haben wir es einfach gewagt. Und am Ende konnten wir oft erleichtert sagen: Es hat sich gelohnt.
Wir haben neue Erfahrungen gesammelt, viel gelernt und immer wieder gemerkt, wie viel Freude unsere Arbeit machen kann.
Besonders schön waren die Begegnungen mit Menschen, die unsere Arbeit unterstützen und gemeinsam mit uns etwas bewegen möchten.
Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Grundbildungszentrum Barnim oder dem Humboldt-Forum im Berliner Schloss.
Wenn wir heute zurückblicken, sind wir stolz auf das, was entstanden ist.
Warum unsere Arbeit so wichtig ist
Im Bereich Teilhabe unterstützen wir Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen.
Erfahrungen zeigen: Wer Informationen nicht versteht, kann oft nur eingeschränkt mitreden, eigene Entscheidungen treffen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Das kann dazu führen, dass Menschen von Angeboten und Aktivitäten ausgeschlossen werden.
Ein einfaches Beispiel: Wer den Veranstaltungsplan nicht versteht, weiß möglicherweise nicht, welche Veranstaltungen angeboten werden und kann deshalb nicht teilnehmen. Leichte Sprache ist deshalb kein Extra. Sondern sie hilft dabei, Barrieren abzubauen. Und ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für Teilhabe.
Sie ermöglicht Menschen, sich zu informieren, ihre Rechte kennenzulernen und selbstbestimmt am Leben teilzunehmen. Dafür setzen wir uns ein.
Und wie geht es weiter?
Die Förderung durch die Aktion Mensch endete im August 2026. Doch unsere Arbeit soll weitergehen.
Unser Träger hat sich dafür entschieden, das Angebot der Leichten Sprache fortzuführen.
Seit 1. September 2026 gehören wir, die VERSTEH BAR Bernau, zum Fachdienst im Verbund Nord-Ost-Brandenburg.
Wir haben noch viele Ideen und Pläne für die Zukunft. Wir möchten weiterhin Texte verständlich gestalten, Workshops anbieten und unser Netzwerk ausbauen. Gemeinsam mit dem Bereich Unterstützte Kommunikation unseres Fachdienst-Teams wollen wir enger zusammenarbeiten.
Unser gemeinsames Ziel ist es, über barrierefreie Kommunikation zu informieren. Fünf Jahre liegen hinter uns. Wir sagen Danke.
An die Aktion Mensch, an die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal und an alle Kooperationspartner für die Unterstützung, die Zusammenarbeit und das Vertrauen.
Und wir freuen uns auf alles, was noch kommt. Denn eines ist sicher: Für mehr Verständlichkeit und mehr Teilhabe lohnt es sich, gemeinsam weiterzumachen.
Die Mitarbeiterinnen der VERSTEH BAR Bernau
Katja Leonhardt & Claudia Ebert